Hintergrundinformation für JournalistInnen



AUSSTELLUNG »Was damals Recht war...«

Pressefotos aus der Ausstellung

Download: Foto 1 - Foto 2 - Foto 3 - Foto 4 (© Max Wegscheidler)

 

Pressemappe (Pressekonferenz anlässlich der Ausstellungseröffnung am 1. 9. 2009)

 

Fördernde Institutionen

 

Richard Wadani, Deserteur und Ehrenobmann des Vereins Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«. Quelle: Bernd Moidl
Richard Wadani

ÜBER RICHARD WADANI

Richard Wadani [geborener Wedenig], geboren 1922 in Prag

 

Deserteur und Ehrenobmann des Vereins »Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«

Pressefotos von Richard Wadani

Download: Foto 1 - Foto 2 (© Ernst Logar)

Kurzbiografie

Ich wurde als zweiter Sohn österreichischer Eltern geboren und wuchs in Prag auf. Mein Elternhaus war sozialdemokratisch eingestellt. Ich selbst sympathisierte frühzeitig mit den Kommunisten und trat der Sportorganisation der KPČ bei. In meiner Jugend war ich bei den Nestfalken [in Österreich Kinderfreunde], den Roten Falken und dem ATUS [ASKÖ]. Nach der Besetzung Österreichs durch Hitlerdeutschland musste die Familie nach Wien, die Heimatstadt meiner Mutter, zurückkehren. Mit der Besetzung waren die Mitglieder der Familie auch in der ČSR automatisch zu deutschen Staatsbürgern geworden. Damit verloren sie in der damaligen kritischen Situation nicht nur die Arbeitsbewilligungen, sondern auch andere Begünstigungen, die sie als Österreicher genossen hatten.

 

In Wien hatte ich einen Arbeitskollegen, der sich nach einiger Zeit und nach gegenseitigem Abtasten als ehemaliger Schutzbündler und alter Prolet zu erkennen gab. So entwickelte sich ein guter menschlicher und politischer Kontakt. Ich habe ihm meine Situation geschildert. Kurz danach sagte er zu mir: ‚Pass auf, Bua, dich ziehen sie bald ein. Wie die Erfahrung zeigt, kommst du zuerst zum Arbeitsdienst, dann zum Militär, und zwar zur Infanterie, und dann bist du erledigt.‘ Diese Aussprache hat mir bei meiner Orientierung sehr geholfen und mir vielleicht auch das Leben gerettet. Daraufhin meldete ich mich zur Luftwaffe, und wie sich herausstellte, war es ein richtiger Schritt. Andere Einberufungen brauchte ich nicht mehr zu fürchten.

 

Ab Oktober 1939 war ich zunächst in Vyskov und dann in Prag. Ich wurde als Kraftfahrer ausgebildet und blieb bis 1941 in Prostejov. Kurz vor meinem Einsatz auf dem Balkan wandte ich mich an einen Arzt, dem ich vertrauen konnte. Wenn ich jetzt nicht ins Spital kam, musste ich mit zum Einsatz. Ich wusste, dass ich eine Nasenscheidewandverkrümmung hatte, und so fragte ich ihn, ob man die Nase operieren könne. Er sagte: ‚Das geht.‘ Jetzt dachte ich mir, wenn wieder irgendein Einsatz kommt, dann muss der Blinddarm raus und dann eventuell die Mandeln. Nach dem Spital gab es dann vier Wochen Genesungsurlaub, und ich war sozusagen weg von diesem Einsatz.

 

Nach dem Genesungsurlaub wurde ich nach Osten kommandiert, wo ich als Kraftfahrer einer Luftwaffeneinheit im Hinterland, in Polen und der Ukraine, eingesetzt war. Im Frühsommer 1942 unternahm ich zusammen mit einem Kameraden, der die gleiche Einstellung zu Hitlerdeutschland hatte, einen ersten Versuch, an der Ostfront überzulaufen, der jedoch leider misslang. Unser Plan, bei einer unserer Suchfahrten nach abgestürzten Flugzeugen einfach die Frontlinie zu überqueren, erwies sich als undurchführbar. Ein Glück, dass es keine langen Befragungen gab und die Infanteristen uns zurückschickten. Aufgrund einer anonymen Anzeige bei der Feldgendarmerie (ich hatte Lebensmittel an die Bevölkerung verteilt), gab es Vernehmungen und dann eine Gerichtsverhandlung beim Feldgericht 4 in Lemberg. Ein freundlich gesinnter Vorgesetzter (ein aufrichtiger Österreicher) schickte mich, als die Verhandlung vorübergehend ausgesetzt wurde (der anonyme Anzeiger wurde erst gesucht), nach Olmütz in eine Dolmetscherschule der Luftwaffe.

 

Im Herbst 1944 wurde ich schließlich an die Westfront nach Frankreich versetzt, nachdem die ganze Schule aufgelöst worden war. Bereits zwei Tage nach meiner Ankunft überquerte ich in der Nacht die Frontlinie. Am ersten Tag habe ich erst einmal sondiert, wie es aussieht. Vor den Löchern war viel Stacheldraht und es gab auch Sicherungen durch Stolperdrähte mit angehängten Handgranaten. Am nächsten Tag bin ich dann in der Früh zwischen drei und fünf Uhr aus dem Schützenloch raus, und es gelang mir, auf die andere Seite zu einer amerikanischen Einheit zu kommen. Ursprünglich wollte einer mit mir gehen (das hatten wir uns bereits in Olmütz ausgemacht), doch im letzten Moment hat er leider nicht mitgemacht. Er war ein Wiener, ein ehemaliger Schutzbündler, der sich auf Renner berief, dass wir ja doch Deutsche sind, und mit einem Wort, er kann nicht mit. Es war eine unangenehme Geschichte, und ich bin dann weggegangen. Ich wurde kurz in einem Gefangenenlager in Cherbourg interniert und meldete mich, da es keine österreichische kämpfende Einheit gab, zur tschechoslowakischen Armee in England.

 

Im November 1945 kam ich nach Wien, um meine Mutter zu suchen. Mein Bruder war 1944 gefallen. Ich fand dann meine Mutter, die in einer sehr schlechten Verfassung war. Um bei ihr zu bleiben, quittierte ich meinen Dienst und wurde im Jänner 1946 als österreichischer Staatsbürger aus der tschechoslowakischen Armee entlassen. Zurück in Wien wurde ich bald mit der politischen Situation konfrontiert. Denn als ich am Arbeitsamt vorsprach, wurde ich sofort angestänkert (ich trug damals noch die englische Uniform): ‚Wie kommen Sie dazu, in einer fremden Armee gedient zu haben?‘

 

Ich begann bald, als Funktionär in der KPÖ zu arbeiten, wo ich mich vor allem mit dem österreichischen Sport befasste. Ich absolvierte die staatliche Sportlehrerausbildung und arbeitete fortan als Sportlehrer. Ich war Bundestrainer und Bundeskapitän im Österreichischen Volleyballverband, baute dann im Pensionistenverband den Seniorensport auf und war viele Jahre Lehrbeauftragter an der Bundesanstalt für Leibeserziehung in Wien. Nach der Zerschlagung des „Prager Frühlings“ und dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR trat ich aus der KPÖ aus, blieb jedoch bis heute politisch engagiert. Als derzeitiger Sprecher des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ setze ich mich für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer ein.

 

UNSERE FORDERUNGEN & KONTAKT

Forderungen des Vereins Personenkomitee »Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« 

 

Kontakt